Entscheidung über den Kauf meiner Bandit 1200 – Teil 2

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Ich bin beim Hondahändler aufgeschlagen. Ok, die CB 900F Bol d’or gibt es ja nicht mehr, aber was hat sie ersetzt? Die schnelle Antwort des Händlers „Eine CBF1000“. Was für ein Ding? Eine CBF1000 will der mir andrehen, wo in der Ecke eine Fireblade steht, die noch eher dem Charakter der guten alten Honda ähnelt. „Nein“ meinte er, „das ist ein Supersportler, der für Wiedereinsteiger nichts ist“. Ach ne, will er damit etwa sagen, „Wiedereinsteiger = alte Säcke = gehören auf Cruiser“? Ok, ich bin ja ein geduldiger Mensch und will erstmal seinen Vorschlag annehmen, denn die CBF1000 hat ja fast 100ps unterm Hintern und man sitzt gut auf ihr drauf ohne sich den Mittelalterrücken zu verbiegen (doch ein alter Sack?), aber irgendwie will sich, während der Probefahrt, der Fahrspaß bei mir nicht einstellen. Vibrationsfreier leiser Motor, zickig in der Gasannahme. Nicht gerade eine Punktlandung und zuviel Plastik auch noch aussenrum. Der Hauptschuldige war der Motor. Vibrations- und emotionslos. Der Wind war besser zu hören als der Motor. Vielleicht hatte ich aus Versehen eine Packung Wattestäbchen zum Frühstück vernascht? Also wieder rein zum Händler und sofort nach der Fireblade gefragt. Er wollte sie mir aus Gewissensgründen für eine Probefahrt nicht geben. Das alte Lied. Kaufen ja, Probefahren nein. Damit wollte er wohl sagen, „Wenn du die wegschmeisst bin ich der Depp, habe keinen Vorführer mehr und Arbeit mit der Versicherung“. Kurz darauf haben sich dann zwei alte Säcke freundlich gegenseitig verabschiedet. Auf zum nächsten Halt.

Meine letzte Station war dann Suzuki. Es sollten meine letzten Probefahrten sein und danach wollte ich meine Entscheidung treffen. Waren sich früher Honda- und Suzukipiloten gegenseitig spinnefeind, hat sich zum Glück mittlerweile einiges geändert. Nun gut, mal wieder rein in den nächsten Glaspalast, wo die Deckenreklame so weit herunterhängt, dass man ein Buschmesser braucht um an die Theke zu kommen. In dem Gewühl aus Motorrädern, Deckenreklame, Terminatorstandbild und Zubehör ist mir noch aufgefallen, dass auch noch Motorräder von Yamaha rumstehen. Ooooh, ja, laut Prospekt müsste die FZ1 doch was für mich sein.

Den Verkäufer hab ich schon mal entdeckt. Sein Nachname muss wohl dem Aussehen seiner Haarpracht entsprungen sein. Passte irgendwie zusammen. Trotzdem war er sehr freundlich und ausgiebig Probefahren war kein Problem. Erstmal die FZ6, danach die FZ1, danach stand ich genauso bekloppt da. Keine Ahnung woran es lag, aber mir fehlte immer noch etwas. Es gibt wohl kein Motorrad mehr für mich, das mich so richtig fasziniert. „Doch doch“, sagte der Verkäufer und führte mich in den 1. Stock, wo noch mehr Motorräder standen. Aha, so läuft das. Wie beim Poker spielen in einem verstecktem Hinterraum. Erstmal den Kunden abtasten und dann raus mit den Juwelen. Und da stand „Sie“. Ganz verdeckt von einem neuerem Modell, was mir der Händler gleich andrehen wollte. Er plapperte munter drauf los und erzählte alles von der weinroten GSF 1200S Modell Baujahr 2006, aber nein, ich war taub. Ich hatte meine Ohren und Augen ganz woanders. Nämlich bei der silbernen Bandit 1200S Baujahr 2005. Das war sie, das musste sie sein. Eine Wuchtbrumme an Motor, ein Männermotorrad, einfach ein Eisenhaufen. Der Händler hat nun schon 15 Minuten lang vor sich hingeredet bis ihm die Plomben rausfielen, während ich schon lange auf der silbernen Bandit saß und strahlte. Jaaaaa, die muss ich probefahren. Klar, er versuchte alles um mir die 1000 Euro teurere neuere Bandit schmackhaft zu machen, aber ich wollte unbedingt den Vorgänger fahren.

Ok, raus auf den Hof und das Erste was mir auffiel, „Boaaaah, die Bandit hat Charakter. Da rührt sich was unter mir“ Endlich ein Motor der Hallo zu mir sagt und mir mitteilen will, dass er mein Freund ist. Man, hatte das Spaß gemacht. Aus jeder Drehzahl Bumms und endlich mal wieder Vibrationen, die Frauen in den siebten Himmel jubeln lassen. Nummer 1200 lebt! Kein großer Technik-Schnick-Schnack, ein Hammermotor. Nur das Ofenrohr muss sofort weg. Ansonsten passt alles. Strahlend wieder zum Händler rein und gleich den Kaufvertrag ausgefüllt.

Das war die ganze Geschichte und die Suzuki Bandit 1200 ist heute noch mein Schmuckstück. Auch nach vielen Jahren, wo andere immer sagen. „Hey, die ist nicht mehr Stand der Dinge“, hält meine Dicke eisern zu mir und ich zu ihr. Weg kommt sie nie, vielleicht eher noch ein zweites Motorrad dazu, aber so etwas treues gibt man nicht wieder her. Wie heisst der abgeänderte Spruch „Fährst du noch oder stehst du schon wieder in der Werkstatt“ Ich fahre noch 🙂 .