Wie die Liebe zu meinem Motorrad begann – Teil 2

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Den Schein hatte ich in der Tasche. Aber jetzt? Ein Motorrad musste natürlich her… aber welches??? Da Peter ja schon viel länger als ich fuhr, begab ich mich vertrauensvoll in seine Hände, ich hatte ja noch absolut keinen Plan! Er schlug mir ein paar Modelle vor, welche ich noch in der gleichen Woche Probe fuhr. Nach der Probefahrt mit der SV 650 S (welche jetzt unser großer Sohn fährt), kam ich mit ‘nem fetten grinsen zurück und meinte nur „Luft raus lassen und in den Kofferraum packen!“ Naja, ich musst‘ dann noch (inkl. Wochenende) vier lange Tage auf sie warten.

Tja, was jetzt folgte, war ein verdammt hartes aber gleichzeitig unbeschreiblich tolles Jahr! Mein Mann, eigentlich kein guter und geduldiger Lehrer, lehrte mich mit viel Energie, viel Geduld (oh ja, wirklich viel Geduld) und verdammt viel Eifer Motorradfahren. Er fuhr vor mir, ich folgte ihm, unauffällig. Ich weiß bis heute nicht wie er es gemacht hat, aber… er hat jeden, aber wirklich jeden Patzer (von einem einzigen abgesehen) von mir gesehen und beim nächsten Stopp bekam ich zu hören „Du Schatzele, das hat mir noch nicht gefallen, das üben wir nochmal, ja?“ Ich hörte nicht einmal böse Worte oder harsche Kritik. Es war immer positive Kritik, Kritik die mir weiterhelfen und mich weiterbringen sollte und brachte. Er forderte mich ständig, wirklich bis an meine Grenzen, aber er überforderte mich nie. Was hat er mich durch Baustellen gejagt und mich umdrehen lassen (naja, umdrehen gehört bis heute nicht zu meinen Stärken), die fiesesten Ecken ist er mit mir abgefahren, die unwegsamsten Straßen – und jedesmal bekam ich ein schmunzelndes „Tschuldigung, mein Navi hat mich falsch geschickt“ zu hören 😉 irgendwann hab ich nur noch gesagt: „Schmeiß dein Navi weg!“ Nein, das war nie ernst gemeint, wusst‘ ich doch, dass nicht wirklich das Navi schuld war 😉

An besonders heißen Tagen, wenn wir z.B. am See beim Baden waren, an Regentagen oder im Winter wurde Theorie gepaukt. Immer Zettel und Kuli dabei, um fiktive Kurven aufzumalen oder sonstigen theoretischen Kram. Peter wollte mir all sein Wissen und Können am liebsten auf einmal überreichen. Alles, wirklich alles drehte sich um’s Motorradfahren. Was dann zur Folge hatte, dass ich irgendwann gar nichts mehr konnte, ich saß vor der Kehre auf’m Bock und in meinem Kopf lief das theoretische Bewegungsschema ab, alles war zu viel, ich wusste irgendwie gar nicht mehr was ich zuerst machen sollte und „schrie“ förmlich nach einer „Unterrichts-Auszeit“. Peter akzeptierte das und hielt sich etwas zurück, was ihm sehr schwer fiel, denn gleichzeitig fragte ich ihn ja oft genug nach diesem oder jenem, ich war ja heiß auf’s Fahren und Lernen und konnte nicht genug davon bekommen. Irgendwann sagte Peter mal: „Christine? Die musst vom Mopped runter schlagen!“

Naja… es klappte aber noch nicht ganz so wie es sollte, ich fuhr nicht schlecht, aber ich trat auf der Stelle und kam nicht weiter. Peter (und ein paar andere Bekannte) meinten dann, dass ich einen hohen Lenker bräuchte, die SV 650 S hat ja Stummellenker. Er hatte nun, nachdem ich meinen Schein 1 1/2 Jahre hatte, vor die SV umzubauen. Der Gedanke gefiel mir überhaupt nicht, da ich ja nichts anderes kannte und nicht wusste, ob ich das wirklich so haben wollen würde. Mit aller „Gewalt“ musste mich Peter dazu überreden Probefahrten mit Maschinen zu machen, die einen Tourenlenker haben. Gegenkommentare wie „das nützt mir nichts, ist ja nicht meine Maschine“ ließ er nicht gelten und schweren Herzens, mir aber sicher das nicht auf meine SV adaptieren zu können, stimmte ich zu.