Wie die Liebe zu meinem Motorrad begann – Teil 4

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Granpasso
Moto Morini Granpasso 1200

Ich ging völlig „blind“ und unvoreingenommen mit zum Moto Morini-Händler. Dort habe ich das Pendant zur BMW 1200 GS, die Moto Morini Granpasso gesehen und die wollt ich haben! Gab es sie doch in einer etwas niedrigeren Variante „H83“!

Die Maschine die ich zur Probefahrt bekam, war die niedrigere mit 180er Hinterreifen. Ich erreichte mit Müh und Not auf einer Seite den Boden mit der Schuhspitze! Egal! Die will ich fahren! Gesagt getan. Ich drückte auf’s Knöpfchen… und es war passiert! Ich war gefangen von diesem fauchenden und bollernden Twin! Diese Kraft, diese Power – wow! Ich fuhr sehr vorsichtig vom unwegsamen Hof des Händlers (Kies, Löcher und hochstehende Kanaldeckel) und was dann kam, das ist nicht zu beschreiben! Die war einfach nur obermegageil!!! Nur mahnte meine innere Stimme mich immer wieder, dass ich nicht immer auf ebenem Boden werde umdrehen können und so gut wie gar nicht runter reiche und genau das meine absolute Schwachstelle ist! Außerdem könnte ich niemals Trailreifen aufziehen, da hätt ich dann gar keine Chance mehr, einen Fuß auf den Boden zu bekommen. Das war noch ein großer Wehmutstropfen. Andererseits, bin ich nicht auch die 1100er Hypermotard von Ducati (nur aus Jux und Dollerei) Probe gefahren? Die war sogar noch höher und ich bin halt einfach ein Stück vom Sitz gerutscht beim Anhalten, hat doch auch geklappt. Ich kam zurück von der Probefahrt, der Händler merkte natürlich dass ich eigentlich sehr begeistert war (war keine Kunst, ich grinste wie ein Honigkuchenpferd), und meinte, wir sollten uns halt über’s Wochenende Gedanken machen und am Montag wieder kommen. Natürlich spukte sie mir das ganze Wochenende im Kopf rum, doch irgendwie war ich auch hin und her gerissen, wegen der Höhe. Als ich dann das Foto noch gesehen habe, welches Peter von mir auf der Maschine machte – nein, das passte einfach nicht! So toll ich die Maschine auch fand, sie war nicht für mich gebaut. Montag dann, erklärte ich dem Händler, dass ich leider ein paar Zentimeter zu klein für sie sei und ich mich gegen sie entschieden hätte. Er meinte, dass ich halt „die da“ mal fahren solle und zeigte auf die Moto Morini Corsaro Avio.

Das ließ ich mir nicht zweimal sagen! Ich ließ sie an und… jaaaaaaaaaaa da war es wieder! Das Fauchen und Bollern dieses genialen Twins!!! Diese Power und diese Kraft und… gleichzeitig vertrauenerweckend ohne Ende! Sie machte das was ich wollte genau so wie ich es wollte. Ich fühlte mich zu jeder Zeit sicher und wohl, das war einfach genial!!! Alles, alles was Peter mir in diesen eineinhalb Jahren beizubringen versuchte klappte so wie wenn es nie anders gewesen wäre, ich nie etwas anderes gemacht hätte, ich fuhr endlich frei, ohne nachzudenken, ohne diesem „Ablaufplan“ im Kopf, wann ich was wie machen soll. Wie ein umgelegter Schalter in meinem Kopf, diese Maschine war für mich gemacht, nur für mich! Ich danke Franco Lambertini für den genialsten Motor den ich je gefahren bin und dieses waaaahnsinnig tolle Motorrad! Mille Grazie!!! Ich fuhr, und fuhr und fuhr… ich fühlte mich so richtig „angekommen“. DAS war mein Motorrad!!! Ich ging los um einen anderen Lenker Probe zu fahren und kam heim mit dem genialsten Motorrad das es gibt (zumindest für mich) *lach* (Danke mein Schatz!!!) Das war wohl der unvernünftigste Kauf unseres Lebens, aber: Unvernunft kann sooooo herrlich sein ;-))) Eine Moto Morini kauft man halt nicht aus Vernunft, die kauft man nur mit dem Herzen, das ist Emotion pur! Jetzt habe ich sie zwei volle Jahre und mich reizt keine einzige für eine Probefahrt, jeder Meter auf ihr ist immer noch Genuss und Emotion pur. Sie fasziniert und fesselt mich jedes Mal auf’s Neue und das grinsen… das geht einfach nicht mehr weg 😉 Kurzum: Ich liebe meine „Bella“!

Moto Morini Corsaro 1200 Avio
Moto Morini Corsaro 1200 Avio

Allerdings ging es nach dem Kauf bei ein paar Leuten im Bekanntenkreis los! Als sie wussten, welche Maschine ich mir gekauft hatte, gingen die „Belehrungen“ los. Es kamen Sprüche von „Du fährst erst eineinhalb Jahre! Wie kannst du dir so eine Maschine kaufen, das grenzt ja an Selbstmord!“ über „Ja ja, die würd‘ mir auch gefallen… wollte ich kein zuverlässiges Motorrad!“ bis zu „Du bist ja wohl absolut Lebensmüde! Die hat ja nicht mal ABS!“

Leider muss ich alle „Schwarzmaler“ bitter enttäuschen. Ich lebe immer noch und zwar mit heilen Knochen und ohne Unfall, trotz fehlendem ABS, ich habe es noch nie vermisst und… nein, eine Panne hatte ich auch noch nicht, auch stand sie nie wegen „läuft nicht mehr“ in der Werkstatt (im Gegensatz zu manch anderer „zuverlässiger“ Maschine). Über Probleme bei der Ersatzteilversorgung (ich hab doch glatt zweimal auf Garantie, die ich sogar drei Jahre lang habe, was gebraucht) kann ich auch nichts berichten, und das obwohl Moto Morini im gleichen Monat in dem ich meine Maschine zugelassen habe, Bankrott angemeldet hat.

Mittlerweile ist Moto Morini in neue Hände verkauft bzw. versteigert worden und so wie berichtet wird, dürfen wir uns im Jahr 2012 wieder auf neue Modelle freuen.

Viva Moto Morini!